Tag 23 bis zum Rückflug – Unser Hilfsprojekt

Die Menschen sind wie das Rote Meer: Der Stab hat sie kaum auseinander gehalten, gleich hinterher fließen sie wieder zusammen.
- Johann Wolfgang von Goethe

Goethes Worte beschreiben unsere Erlebnisse der vergangenen drei Wochen sehr treffend. Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen war überwältigend, jedes Vorurteil, welches man über bestimmte Länder eventuell gehabt haben könnte, ist nun endgültig ausgelöscht.
Die Rallye liegt hinter uns und hinterlässt eine gewisse Leere. Wir haben unsere letzte Nacht im Crowne Plaza am Toten Meer verbracht und ausgecheckt. Jetzt stehen wir da, ohne Roadbook, das uns vorschreibt wohin wir fahren sollen, wo wir Fotos machen sollen und wo wir die Nacht verbringen werden. Die letzte Woche unserer Reise beginnt.
Zunächst geht es weiter nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Der vielleicht wichtigste Programmpunkt unseres Roadtrips steht uns bevor: Unser Hilfsprojekt zur Unterstützung der Hilfsorganisation Dar-Al Yasmin. Zuvor gab es jedoch eine kleine Änderung im Team. Wir freuen uns, den Vorausbrauswagen bei uns begrüßen zu dürfen. Ein ehemaliges Notfallfahrzeug mit Sirene und Blaulicht, bisher gefahren vom Organisationskomitee. Ein 3er BMW mit Automatik, ohne Klimaanlage. Aber vor allem mit einem Kofferraum, den wir gerade jetzt dringend benötigen. Von 8 Teams bekommen wir noch zusätzlich jede Menge Hilfsgüter für syrische Flüchtlinge, so dass jetzt alle 4 Autos bis zum Anschlag voll beladen sind. Vielen Dank dafür an die Teams YallaYalla, Smarte Hanseaten, Wüstenläufer, Schienenersatzverkehr und das Kompetenzteam Aachen (wir hatten eine Liste aller acht Teams auf einem Handy, welches sich zu Zeit irgendwo in der jordanischen Wüste befindet gespeichert. An die Teams die wir vergessen haben natürlich auch ein großes Dankeschön)! Ab sofort fahren also immer zwei alleine in einem Auto. Der Pilot der Ugly steuern wird, muss sich ab jetzt stets intensiv auf die vor ihm liegende Fahrt vorbereiten: Ohropax, Kopfhörer und drei Kissen auf jede Seite. Anders ist der durch den verlorengegangenen Auspuff entstehende Lärm nicht mehr auszuhalten. In den ersten fünf Minuten mag es noch cool und lustig klingen, aber auf Dauer sind die gefühlten 300 dB in einer äußerst unangenehmen Frequenz doch ziemlich nervenaufreiben.
Als wir in Amman ankommen stellen sich allerdings schnell die Vorteile des verlorenen Bauteils heraus. Der neue Motorensound kompensiert äußerst effektiv die nicht mehr vorhandene Hupe. Wenn man irgendwo durch möchte oder nicht in einen Kreisverkehr reinkommt, dann kuppelt man schnell aus, gibt einmal Vollgas und wie von Zauberhand machen einem alle anderen Kraftfahrzeuge gebühren Platz.
Am späten Nachmittag erreichen wir Gaelles Wohnung. Gaelle ist eine der beiden Gründerinnen von Dar-Al Yasmin. Hier können wir endlich unsere Autos leerräumen und Good, Bad und Ugly somit einen Großteil ihrer Last ablegen. Eine Stunde lang heißt es ausräumen und alle Hilfsgüter in die Wohnung von Gaelle und Fabien bringen, wo wir -besonders Felix – äußerst herzlich von Fabiens Großmutter begrüßt wurden. Kisten voller Teddybären, brandneuen Adidas-Fußballschuhen, Trikots, Hosen, Klamotten, Sportequipment, Babynahrung, Campingmaterial und noch vielem mehr wurden rangeschafft. Es ist unglaublich zu sehen, wie viel Hilfsgüter wir in den Autos mitgebracht hatten und teils Wochen mit uns herumgefahren haben. Aber die Mühe hat sich gelohnt, denn hier können wir uns sicher, dass die Sachen dort ankommen wo sie dringend benötigt werden. DAY führt genaue Listen von allen Flüchtlingen im Dorf Zaatari und kann genau sagen, wer die Hilfe am dringendsten benötigt. Nachdem wir alle Sachen entladen haben, kann jeder von uns noch einmal duschen und dann werden wir von Gaelle, Julie und ihren Freunden in ihr Lieblingsrestaurant ausgeführt. Die Nacht schlafen wir in unseren Zelten direkt vor Gaelles Haustür.
Am nächsten Morgen werden wir von einem französisch-arabischen Frühstück begrüßt: Omelette, Fladenbrot, Kaffee und Nutella. DAY muss sich nun erst einmal durch die Berge von Hilfsgütern arbeiten und sortieren was wir mitgebracht haben, so dass wir Zeit haben uns noch ein wenig in Jordanien umzuschauen. Petra, Wadi Rum und Aqaba stehen auf der Liste. Als erstes fahren in Amman beim Sidney Hotel vorbei, wo die sechs Münchener vom Team Delta auf uns warten. Im Vorfeld hatten wir mit Ihnen abgesprochen, dass sie uns für unsere letzten Tage Jordanien ihren 200 PS starken 5er BMW überlassen. Vielen Dank dafür! Anschließend fahren wir unter stetig ansteigender Hitze nach Aqaba ans Rote Meer, wo wir die nächsten drei – beziehungsweise ein paar von uns nur zwei – Nächte verbringen werden. Campen direkt am Meer auf einem öffentlichen Parkplatz mit anderen Teams, abends Fisch grillen (drei Doraden und drei Rotbarben, ca. 3kg für 13€) und anschließend mit jordanischen Jugendlichen Wasserpfeife rauchen und Blödsinn machen, Tauchen gehen im Roten Meer, Sonnenbrand bekommen, Golfbälle in die Wüste kloppen, einkaufen und so weiter und so fort. Nach zwei Tagen teilt sich unsere Gruppe auf: Jonas, Lukas und Sven fahren mit Good, Bad und dem Delta BMW ins Wadi Rum. Julius, Felix und Markus haben in den letzten Tagen genug Sand, Staub und Wüste gehabt und bleiben einen Tag länger am Meer. Am nächsten Morgen treffen wir uns alle wieder auf der Schnellstraße Richtung Petra. Ein bisschen Kultur muss sein und es ist das erste Mal, dass wir wirklich Zeit haben uns eine Sehenswürdigkeit anzusehen. Bisher mussten wir meistens aufgrund Zeitmangels an allen Kulturstätten vorbeirasen. In Petra wird schnell klar, dass die Rallye hier bereits sehr bekannt ist: „Welcome to Jordan“ und „Have anything to sell? I’ll buy, no problem“ werden uns an diesem Tag auf Schritt und Tritt begleiten. Für den Eintritt in die alte Hauptstadt der Nabathäer bekommen wir sogar noch einen Rallye-Sonderpreis. 1JD anstatt 50JD (1JD entspricht in etwa 1€). Petra selbst ist dann auch sehr beeindruckend, sich riesigen, vor mehr als 2200 Jahren in den Fels getriebenen Bauten anzusehen kann man nur jedem empfehlen. Aber am besten in einer etwas kühleren Jahreszeit, da es bei 38°C im Schatten sehr schnell sehr anstrengend wird.
Nach den vier Tagen Touristenprogramm geht es wieder zurück nach Amman, wo wir als erstes den mittlerweile von der Wüste ramponierten Delta BMW am Rallye-Sammelplatz abgeben und anschließend zu Gaelle fahren. Von da aus geht es weiter nach Zaatari, wo wir unsere Teddybären an syrische Flüchtlingskinder Kinder verteilen. Das Al Zaatari Refugee Camp ist das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt und liegt in der Wüste im Norden Jordaniens nahe der syrischen Grenze. Wir selbst fahren nur in das kleine Dorf Zaatari, welches einige Kilometer vom richtigen Flüchtlingslager entfernt ist. Doch auch hier ist das Ausmaß der Katastrophe im Nachbarland zu erkennen. Quasi im Vorgarten der Jordanier stehen UNHCR-Zelte in denen teils mehrere Familien zusammen auf engstem Raum leben. Doch als wir das Lager erreichen, treffen wir nicht etwa auf verängstigte, niedergeschlagene Menschen, sondern werden von lachenden Kindern und Müttern herzlich begrüßt. Das Leid, welches die Kinder in den vergangenen Jahren erfahren haben und immer noch ertragen müssen lässt sich nur erahnen. Es herrscht eine merkwürdige Mischung aus der zu spürenden Freude der Kinder und der beklemmenden Atmosphäre des Zeltlagers. Die Teddyvergabe wird zeitweise von Kalaschnikow-Schüssen begleitet, welche laut Julie von einer Hochzeit stammen. Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch. Nachdem jedes Kind einen Teddy erhalten spielen wir noch eine Weile mit den Kindern, tragen Sie auf den Schultern, wirbeln sie durch die Luft und spielen Fußball. Es ist schön zu sehen, dass man den Kindern, die ihr Zuhause verloren haben mit so kleinen Dingen eine so große Freude machen kann. Im Sonnenuntergang fahren wir wieder zurück „nach Hause“ wie wir mittlerweile so ziemlich jeden Ort nennen, an dem wir unsere Autos parken. Die nächsten zwei Nächte verbringen wir in Gaelles Wohnung, wo wir im Wohnzimmer mit den Matratzen ein klassisches Matratzenlager bauen. Am nächsten Tag geht es wieder nach Zaatari. Alle zwei Wochen freitags veranstaltet DAY ein Programm für die Flüchtlingskinder, wo sie an verschiedenen Workshops teilnehmen, lernen und Sport machen können. Hierbei werden wir von 25 anderen freiwilligen Helfern aus aller Welt unterstützt. Wir spielen mit den Jungs Fußball auf einem Kunstrasenplatz, der von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird. Hier können von den Kindern auch gleich die von CIP gespendeten Fußballschuhe getestet werden. Mit großem Erfolg. Wir sind sehr froh, dass wir die Möglichkeit hatten hier dabei zu sein und helfen zu können und hoffen, dass DAY noch lange weitermachen kann! Auf dem Rückweg nach Amman lassen wir noch unsere Dachboxen in den Flüchtlingscamps, wo sie mit Sicherheit sehr gut gebraucht werden können.
Zurück zu Hause heißt es dann alle Autos bis auf die letzte, unter den Sitz geworfene Snickersverpackung ausräumen und alle Sachen geordnet packen. Den letzten Abend lassen wir dann im selben Restaurant wie beim ersten Abend in Amman ausklingen. Um 7:00 am nächsten Morgen müssen wir los und unsere Autos am Flughafen abgeben, nicht ohne die eine oder andere Träne unterdrücken zu müssen. Schweren Herzens übergeben wir die drei Haudegen dem Königreich Jordanien, packen unser Zeug, den Stuhlstuhl und Steigen ins Flugzeug zurück nach Hause.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Sponsoren; bei den Unterstützern, wo vor allem Norbert Breuer, die alte Hupe, erwähnt werden muss; bei den anderen Teams, hier besonders Team Delta, Herbe Sahne, Die Raumpiloten und Team 777; und zu guter Letzt bei euch allen, die unser Abenteuer täglich verfolgten, uns Grüße sendeten und auch dazu beigetragen haben, diese Rallye zu etwas Besonderem zu machen. DANKE.
Wir sehen uns dann frisch gewaschen in Deutschland im schnöden Alltag wieder.
Bis dahin

Euer Team 2Fast 2Curious

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