Tag 20 bis 22 – Das Rallyefinale

Nachdem wir die Wüste endgültig verlassen haben nehmen wir weiter Kurs Richtung Süden. Im Vorfeld der Rallye bekam jedes Team die Aufgabe einen Stein des jeweiligen Heimatortes mit nach Jordanien zu bringen. Ziel dieser Aktion ist der Bau einer interkonfessionellen Begegnungsstätte an der kürzlich gefundenen, ältesten Kirche der Welt. Der Stein sollte mit einem Spruch versehen werden. Unser Stein ist ein Stück des Aachener Doms, welcher uns vom Dommeister übergeben wurde – noch einmal ein großes Dankeschön dafür! Nachdem wir unseren Teil zur „Wishwall“ an der Begegnungsstätte beigetragen haben geht es weiter ans Tote Meer. Asphaltierte Straßen sind Balsam für Auto und Seele. Man kann das Fenster offen lassen und trotzdem noch atmen. Die Schotterpisten und scharfen Steine stecken Good, Bad und Ugly immer noch tief in den Knochen und so kommt es wie es kommen muss: auf spiegelglattem Asphalt ein Plattfuß bei Bad, der zweite seit Rallyebeginn. Das Wechseln geht flott und schnell geht es weiter durch die Ebenen Jordaniens. Die Landschaft wird mediterraner, die Sonne brennt ohne Erbarmen. Elma wird es zu warm unter seinem Hut und er wirft ihn, bockig wie er ist, ab. Keine Stunde nach dem Reifenwechsel gibt es bei Good einen lauten Knall, dann ein Flattern von hinten rechts kommend. Reifen geplatzt. Wieder auf perfekter Fahrbahn. Der letzte Ersatzreifen wird ausgegraben und aufgezogen. Im nächsten Ort halten wir bei einem – nennen wir es Reifenhändler – an um unsere Räder für den Fall der Fälle reparieren zu lassen. Luft in die Reifen pumpen, unter Wasser halten und das Loch ausfindig machen, abziehen, vulkanisieren und schon hat man wieder einen neuen Reifen. 10€ für 2 Reifen. Und 50 Cent für 6 Fladenbrote mit einem Durchmesser von über einem Meter, beim Bäcker nebenan. Eine Dose Cola für 30 Cent noch dazu. Schande über denjenigen, der uns erzählen wollte Jordanien sei teuer!
Kurz nachdem wir während unserer Fahrt Richtung Totes Meer Meereshöhe erreichen, stehen wir vor einer mehreren hundert Meter tiefen Schlucht. Ein Anblick wie der Grand Canyon mit aufgestautem Colorado River. Jordan Valley. 300 Meter hinunter und auf der anderen Seite wieder rauf. Langsam geht die Sonne unter. Als wir oben auf der anderen Seite ankommen liegt das Tote Meer erneut vor uns. Gefühlte 500 Meter unterhalb von uns liegt eine glatte Wassermasse. Auf der anderen Seite liegt Israel. Während wir die Serpentinen runterfahren verschwindet allmählich die Sonne hinter den Hügeln des heiligen Landes. Aufgrund unseres gemütlichen Fahrstils werden wir wie üblich das letzte Team sein, welches im Ziel einläuft. Auf den letzten Metern treffen wir noch den ebenso entspannten Willi, den Chef des Organisationskomitees, welcher die Rallye auf einer Honda Goldwing bestritten hat. Gemeinsam fahren wir im Sonnenuntergang die letzten Kilometer des offiziellen Teils der Rallye bis zum Crowne Plaza Dead Sea Hotel. Hier werden wir die 2 letzten Tage im Rahmen der Rallye verbringen. Standesgemäß im 5-Sterne-Hotel, welches vom OK der Rallye organisiert wurde. Alles exklusive versteht sich.
Es ist also geschafft. Ziemlich genau 7000 Km von Oberstaufen bis zum Ziel. 16 Grenzübergänge. Jede Menge Gelächter, Stress, Diskussionen und Kommunikationsprobleme liegen hinter uns. Landschaften von den Alpen über die Adriaküste und Anatolien bis zur Wüste war bis auf einen Regenwald so ziemlich alles dabei. Wir erfuhren Gastfreundschaft am meisten dort, wo wir sie am wenigsten erwarteten. Wir konnten bereits vor unserem Hilfsprojekt im Flüchtlingslager Zataari Kindern aus armen Regionen eine Freude machen. Wir lernten viele tolle Menschen kennen, sowohl Rallyeteilnehmer, als auch Einheimische. Wir konnten die verschiedensten kulinarischen Delikatessen probieren und anschließend an den idyllischsten Orten den Stuhlstuhl auf ein Rendezvous ausführen. Jeder von uns hat in etwa 80 Liter Chai Tee in 11 Tagen Türkei getrunken und keinen einzigen Cent dafür gezahlt. Oftmals sind wir bis tief in die Nacht gefahren um am nächsten Tag in aller Früh gleich weiterzufahren. Es waren so viele Eindrücke, dass es sich anfühlt, als wäre man vor einem halben Jahr in Aachen gestartet. Unsere Audis haben auch wacker durchgehalten, waren wir anfangs noch sehr zärtlich zu ihnen und haben dann zum Schluss immer rücksichtsloser das Gaspedal bedient und an der Ampel nicht mehr so ganz auf den Sicherheitsabstand geachtet. Folgende Schäden galt es zu beheben oder zu ertragen:

Ausfall der Zusatzelektronik (Good)
Ausfall der Innenraumbeleuchtung und 12V Stecker (Ugly)
Abgerissener Mitten- und Endschalldämpfer (Ugly)
Plattfüße (Alle 3 Autos hinten Rechts)
Leicht hängende Heckschürzen (Alle drei Autos)
Geplatzter Simmerring, Ausfall Rückwärtsgang (Ugly)
Hängender Auspuff (Bad)
Kaputte Nebelscheinwerfer (Beide bei Good)
Verlust Nebelscheinwerfer (Bad)
Scheinwerfer defekt (Bad)
Aufgerissener Tank (Good)
Jede Menge Steinschläge (Good)
Ausgeschlagener Stoßdämpfer vorne links (Good)
Ausgeschlagener Stoßdämpfer hinten links (Ugly)
Unterbodenschutz aufgerissen, verbeult oder abgerissen (Alle drei Autos)

Alles in allem sind die drei immer noch fahrtüchtig.
Jetzt heißt es einen Tag entspannen im Resort am Pool. Zum nächsten Tag bleibt nicht viel zu sagen. Wir stehen auf, gehen Frühstücken und hängen uns an den Pool, wo Techno-Thorsten auflegt, und braten uns in der Sonne. Um 18:00 finden sich dann alle Teams im Konferenzsaal zusammen für die Siegerehrung. Zuerst werden die Finisher ausgezeichnet, Teams die es bis ins Hotel geschafft haben, aber ihr Roadbook nicht abgegeben haben, Teams die außer Wertung mitgefahren sind oder Teams, die disqualifiziert wurden. Wir selbst schaffen es auf den 4. Platz der Rallye und gratulieren den Siegern vom Team geisterfahrer.in, die uns in Corum mit einem neuen funktionierenden Funkgerät aushelfen konnten. His Royal Highness der Kronprinz Hussein Abdullah von Jordanien selbst hat die ersten drei Plätze geehrt. Unter seinem Patronat verlief die gesamte Rallye und wir bedanken uns auch noch einmal für die Ehre die uns dadurch zuteil wurde.
Ab jetzt sind wir frei von jeglichen Roadbookaufgaben und können uns voll und ganz auf unser Hilfsprojekt Dar-Al-Yasmin konzentrieren. Alle drei Fahrzeuge sind randvoll beladen mit Teddybären, Babynahrung, Fuß- und Basketbällen, Fußballschuhen, Kleidung, Tennisschlägern und –Bällen, Musikinstrumenten, Hygieneartikeln und vielem mehr. Alle Hilfsgüter werden in den kommenden Tagen in Kooperation mit Dar-al-Yasmin an syrische Flüchtlinge verteilt. Zunächst geht es nach Amman wo wir die Gründerinnen der Hilfsorganisation kennenlernen werden.

AOR 2014: Wir waren dabei!

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