Tag 17 bis 20 – Die Wüste fordert ihren Tribut

In den letzten Tagen ist viel passiert. Wir waren in der Wüste Jordaniens, weit abseits jeglicher Zivilisation. Der Blogeintrag kommt daher heute mit drei Tagen Verspätung. Der Blog der letzten drei Tage wird morgen hochgeladen.

Nachdem wir am Vorabend ohne große Vorwarnung mitten in Haifa aus dem Bus geschmissen wurden, ohne Klamotten oder unsere Autos und ohne organisiertes Hotel, schafften wir es dann doch irgendwie noch eine Absteige mitten in den Bergen zu finden. Dort warteten wir. Wir warteten auf Infos, wann denn unsere Autos ankommen, wie wir in den Hafen kommen sollen und wie es dann überhaupt erst einmal weitergeht. Um 1:00 Uhr nachts kam dann die Information über Facebook, dass sich bitte alle Teams um 07:00 (also in 6 Stunden) am Hafen einfinden sollen. 10 Minuten später dann eine Information, dass die Teams gestaffelt an bestimmten Plätzen in Haifa mit Shuttlebussen zur Fähre gebracht werden. Beginnend um 5:45 Uhr. Wir waren aber zum Glück erst um 9:30 dran. Jetzt heißt es also um 8:00 Uhr aufstehen und das erste Frühstück an einem normalen Tisch, seit wir in Oberstaufen gestartet sind, einnehmen. Als wir dann pünktlich um 9:30 am vereinbarten Treffpunkt ein anderes Team antreffen, heißt es mal wieder warten. Eine halbe Stunde. Wir sehen in 500 Metern Entfernung die Fähre, also machen wir uns kurzerhand zu Fuß auf den Weg, was sich als schwieriger herausstellt, als zuerst gedacht. Es gibt ein Tor das in den Hafen hineinführt. Und das ist eben nicht auf gerader Linie von uns zur Fähre, sondern liegt gefühlte 20 Kilometer abseits. Auf jeden Fall gibt es dann wieder das übliche Prozedere: Pässe abgeben, zu den Autos gehen und Warten. Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen bei dieser Rallye. Wieder zwei Stunden später haben wir unsere geliebten glorreichen Halunken wieder und wissen sogar was für heute so in etwa auf dem Programm steht. In Israel wird das ganze Programm von Crosscountry-Tours organisiert und ist, ganz im Gegensatz zur Türkei, straff durchgeplant. Zu allererst müssen wir zügig zum Jordan kommen, an genau die Stelle wo Jesus Anno Domini getauft wurde. Wir verlassen Haifa und das mediterrane Klima und nähern uns wüstenähnlichen Gebieten. Die ersten Kamele tauchen auf, das Thermometer steigt. Angekommen findet sich neben 666 Rallyeteilnehmern, mit ihren mittlerweile nur noch circa 290 alten Kisten, auch der ein oder andere tiefgekühlte Reisebus, der ab und an eine Gruppe Philippiner mit Sonnenschirmen, oder eine Gebetsgruppe auskotzt. Zu kaufen gibt es tolle kleine Tonfigürchen, Poster und Postkarten. Herrlich.
Der Jordan selbst ist an dieser Stelle ein kleines Bächlein in dem ein braune Brühe Richtung Totes Meer fließt. Zwei Meter breit und auf der anderen Seite unser Ziel: Jordanien.
Endlich geht es dann auch weiter. Durch die Wüste und durch militärisches Sperrgebiet in einem Konvoi vorbei an Minenfeldern und zerstörten Wohngebieten. Wir fahren bis zu dem Punkt, an dem der Jordan ins Tote Meer fließt und dürfen hier dann aussteigen um Fotos zu machen. So wie das eben ist, wenn man mit professionell organisierten Touren unterwegs ist. Dann geht es wieder zurück und auf normalen Straßen zu einem Campingplatz am Toten Meer. Es wird wohl diesmal daran liegen, dass es eben so ein durchgeplantes Programm gibt, sodass wir noch vor Sonnenuntergang das Lager erreichen. Dann gehen wir erst einmal ins „Wasser“, um den Wüstenstaub abzuwischen. Jeder von uns hatte bereits viel von dem salzigsten Meer der Welt, am tiefsten Punkt der Erde gehört, gelesen und gesehen. Bilder und Geschichten, wie man angeblich ohne große Anstrengung auf der Wasseroberfläche treiben kann. Wir waren alle ja schon im Meer und wissen, dass man da etwas besser auftreibt, als in einem beheizten Swimmingpool, und stellen es uns auch dann in etwa so im Toten Meer vor. FALSCH! Schon beim waten merken wir, als wir bis zu den Knien im Wasser stehen, wie das Wasser drückt. Der Untergrund ist sehr schlammig und dann ist es soweit. Schwimmen ist nicht möglich. Man kann nur auf dem Rücken treiben. Es ist nicht anstrengend über Wasser zu bleiben, es ist anstrengend auch nur ein Körperteil unter Wasser zu bringen. Unterwasser kann man Salzkristalle ausgraben, das Wasser brennt wie Hölle, wenn man es in die Augen bekommt, oder es eine offene Wunde berührt. Alles in Allem trotzdem ein sehr großer Spaß.
Am nächsten Morgen werden wir wieder von strahlendem Sonnenschein begrüßt. Heute steht Jerusalem auf dem Programm. Eine Stadt, die jeder von uns im Religionsunterricht kennengelernt hat. Eine Stadt, in der bedeutende jüdische, christliche und islamische Bauten stehen, und die seit tausenden von Jahren stets ein hohes Konfliktpotential geboten hat. Für uns heißt Jerusalem erst einmal ein Internetcafé zu suchen: Blog hochladen, Postkarten schreiben und mal eben zu Hause melden, dass man noch gesund und mehr oder weniger munter ist und wir uns alle noch lieb haben. Da wir bereits um spätesten 16:00 Uhr an der Grenze nach Jordanien sein sollen, bleibt uns anschließend leider nicht mehr viel Zeit etwas von diesem einzigartigen Land mitzunehmen. Ein kleiner Abstecher zur Klagemauer durch den Basar von Jerusalem muss reichen. Pünktlich um 15:00 Uhr geht es dann weiter Richtung Jordan, zum letzten Grenzübertritt der Rallye. Wir schaffen es pünktlich um 18:00 viel zu spät da zu sein, kommen aber trotzdem problemlos über die Grenze. Dort werden wir mit großem Bohei und Marschkapelle empfangen, bekommen unser neues Roadbook für Jordanien und geben unser altes vorläufig erst einmal zur Bewertung ab. Dann geht es in Kolonne weiter. Es ist bereits stockdunkel und wir fahren ohne Pause weiter und weiter, bis wir an eine Tankstelle kommen. Im Roadbook steht, dass es zwingend notwendig ist, die Autos vor der Wüstenetappe vollzutanken. Die erste Tankstelle an der wir vorbeikommen ist bereits hoffnungslos überfordert und man kann nur mit Bargeld zahlen. Dummerweise haben wir bisher noch keinen Geldautomaten in der absoluten Finsternis sichten können. Also weiter, bis wir zur nächsten Tankstelle kommen und mit Freuden den Schriftzug VISA erblicken und mit noch mehr Freuden die Tafel mit den Spritpreisen sehen. Keine 1,10€ für Super. Diesel 70 Cent. Mittlerweile 23:00 Uhr, 200 Autos an einer kleinen Tankstelle. Eine Stunde später kann es dann weitergehen, dem Militär hinterher. Blind ins Verderben könnte man meinen. Um 02:00 Uhr nachts erreichen wir das Fahrerlager für die heutige Nacht. Beim Aussteigen fühlen wir ihn zum ersten mal unter unseren Füßen: harter, trockener, glatter Boden. Rissig. Staub. Kein weicher Sand so wie man sich eine Wüste vielleicht vorstellen mag. Eine feine Schicht von mehligem Staub liegt oben auf, er soll in den nächsten 2 Tagen unser gesamtes aussehen und alles was wir besitzen verändern. Er wird in jede Ritze eindringen und jede noch so kleine Pore verstopfen.
Der nächste Tag beginnt mit einem Drag-Race: 2 Kilometer gegen ein anderes Team so schnell es geht hin und zurück. Auf glatter Wüstenbahn. Die ersten Teams testen bereits den Untergrund: Driften, Staub aufwirbeln, Donuts drehen und die Räder fliegen lassen. Während Jonas und Julius den Stuhlstuhl zum morgendlichen Spaziergang ausführen, fühlt sich Felix, angespornt von den vorbeirasenden Teams, dazu verpflichtet mal zu zeigen, wofür unsere Karren eigentlich gemacht sind. Vollgas in die Kurve, Handbremse. Der Staub wirbelt Meterhoch in die Luft. Das macht Spaß, so lange man die Fahrzeuge in ihrer üblichen Fahrtrichtung an die Belastungsgrenze bringt. Und das ist Vorwärts. Das hält Felix aber natürlich nicht davon ab, das ganze auch mal im Rückwärtsgang zu testen. Wenige Minuten später hat Ugly die Schnauze gestrichen voll. Ein kurzes Scheppern und schon wird die Motorkraft nicht mehr auf die Räder übertragen. Ein Simmerring ist geplatzt und der Rückwärtsgang hat sich vollends verabschiedet. Aus dem Motorblock ertönt ab sofort nur noch ein leises Kratzen während des Betriebs, welches aber auch irgendwann verschwinden wird. Ein Rückwärtsgang ist ja ohnehin völlig überflüssig. Für das Rennen gegen Team 38, Team Delta aus München, reicht es ja nach vorne zu fahren. Jetzt heißt es Audi 100 Quattro gegen BMW 525. Deutsche Ingenieurskunst vereint in der jordanischen Wüste. Julius gegen Maximilian. Die Motoren heulen auf, und auf das Startzeichen (zwei nackte Hintern) geht es los. 174 PS auf 4 Rädern peitschen den Audi schneller durch den Wüstensand als der 190 PS Heckantrieb den BMW. Das Rennen scheint schnell entschieden, doch nach nur wenigen Sekunden machen sich auch schon die 16 PS mehr und der fehlende Dachaufbau der Deltas bemerkbar und so geht der Sieg dann knapp an die blauen Jungs aus München. Jeder darf jetzt mal seine Runde drehen, immer mit ähnlichem Ausgang. Dann müssen wir auch schon weiter und den präzisen Angaben aus dem Roadbook folgen: Go straight, cross street go straight into desert. 30 km South 1 km East 600m South pass nothing and drive direction nowhere. Follow the dust of the teams infront of you. If you get lost don’t try to find your way back, we will find you. HAVE FUN! Also alles ganz einfach. Nach bereits 10 Minuten fahren wir auf einem Pfad Richtung Osten, obwohl wir noch weitere 25 km Richtung Süden fahren sollen. Da wir mal wieder mit leichter verzögern als mitunter die letzten das Camp verlassen haben, sehen wir kein anderes Team vor uns. Also umdrehen und schon taucht irgendwann ein anderes Team in der Ferne auf. Deutlich zu erkennen an der Staubsäule, die sich über ihnen bildet. Unter den Fahrzeugen befindet sogar der „Vorrausbrauswagen“ des Organisationskomitees – ein roter 3-er BMW mit Blaulicht und Sirene. Ab jetzt geht es also wieder in kleiner Kolonne durch die Gesteinswüste. Wenig Sand, aber umso mehr Staub. Eine Landschaft wie auf einem anderen Planeten. Die Sonne brennt, die Luft flimmert. Links und recht erheben sich kleine Hügel. Ein anfangs wieder einmal sehr beeindruckender Anblick. Anfangs! Irgendwann macht der Staub einen mürbe und die Sonne zwingt einen in die Knie. 2-Liter Wasserflaschen gehen weg wie nix. Immer wieder anhalten und darauf warten, dass die Kolonne zusammen bleibt. Der zehnte Plattfuß bei den anderen Teams, irgendwo in der Wüste liegt jetzt eine Endrohr von einem Mercedes Benz. Auch Ugly lässt wieder hängen. Der Auspuff scheppert über die scharfkantigen Steine der Wüste. Egal. Wir haben es endgültig satt das Mistteil immer wieder provisorisch am Auto zu befestigen. Soll er halt scheppern. Irgendwann wird schon Schluss sein. Bei einem weiteren Halt mitten im Nirgendwo, die Wind pfeift uns mit ca. 80 Sachen um die Ohren, tauchen aus der Wüste ein paar andere Teams auf. Herbe Sahne und Delta sind unter anderem dabei. Sie haben sich zufällig getroffen als sie beide stur dem Kompass hinterher nach Süden gefahren sind. Ohne Führungsfahrzeug. So geht es dann auch immer weiter und die Kolonne wird größer und größer. Die Sonne nähert sich allmählich dem Horizont im Westen. Mit 80 Km/h über Schotter. Bis zur nächsten befestigten Straße. Bei dieser Belastung werden wir dann endlich erlöst. Hinter Uglys Katalysator werden Mittel- und Endschaldämpfer abgetrennt und liegen nun mit einigen anderen Autoteilen in der Wüste. Der neue Sound ist im ersten Moment ziemlich geil. Wenn man nicht selbst im Auto sitzt. Es dröhnt und knattert, jede Fehlzündung ist deutlich zu hören. Jetzt klingt Ugly auch wie ein Rallyewagen. Weiter geht’s und endlich sehen wir wieder Asphalt vor uns. Wir halten an der Straße um auf den Rest zu warten. Benzingeruch steigt uns in die Nase. Ugly hat den ersten Platten der gesamten Rallye. Der Benzingeruch wird stärker und wir hören es allmählich. Plätschern. Und dann sehen wir auch die mittlerweile garnicht mehr so kleine Lache unter Good. Ein Riss im Tank. Das Schutzblech unter dem Tank ist völlig ramponiert. Bei Bad hängt es von nur noch einer Schraube gehalten, trostlos unterm Auspuff. Es wird bereits Dunkel und wir müssen noch bis zum Camp kommen. Da wir spontan nichts haben, womit man den demolierten Tank reparieren könnte, bleibt uns nichts anderes übrig,als Good an Bad dranzuhängen und die letzten 50 km zu schleppen. Wir erreichen das Lager nach ewiger Suche mit anderen Teams mal wieder als mitunter die Letzten und bereiten unser Nachtlager vor.
Am nächsten Tag müssen wir früh aufstehen, um alle Schäden zu begutachten, die uns die Wüste zugefügt hat. Philipp vom Team 3 ist Automechaniker und kann uns mit einem Knetmetall, welches wir von Team 9 bekommen, den Tank flicken. Ansonsten haben sich die drei Caballeros gut geschlagen und nur ein paar optische Schäden erlitten. Sven wird noch von einem Soldaten zur nächsten Tankstelle gefahren um neuen Sprit für Good zu holen und so kommen wir als allerletzte los, machen uns auf den Weg Richtung Totes Meer und lassen die Wüste endgültig hinter uns. So schön sie auch war, so viel Kraft hat sie einen auch gekostet. Alles in unseren Autos ist mit Staub bedeckt und nach 2 Nächten ohne Dusche in der Wüste sind wir es auch.

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