Tag 14 bis 16 – Zurück ans Meer

Der Ofen glüht. Holz Vertäfelung und gedämmtes Licht in der Sauna. Schweiß tropft von der Nase.
Plötzlich ist es hell, die Hitze bleibt. Es war nur ein Traum, doch der Schweiß rennt einem trotzdem weiter über das Gesicht. 7:00 Uhr morgens, weit im Osten der Türkei irgendwo in der Nähe von Severek, wo wir unser Lager aufgeschlagen haben, steht die Sonne bereits hoch über dem Horizont. Das Thermometer klettert bis an die 30°C Marke. An Weiterschlafen ist nicht zu denken. Beim Öffnen des Zeltes stellt sich heraus, dass wir es in absoluter Dunkelheit geschafft haben einen perfekten Schlafplatz zu finden. Alles ist vertrocknet, wir stehen vor einem kleinen Hügel an einer Landstraße, auf der etwa alle 20 Minuten ein mehr oder weniger motorisiertes Fahrzeug vorbeifährt. Bei der Hitze fällt es schwer in die Gänge zu kommen; alle sind träge und versuchen sich im Schatten von Good, Bad und Ugly zu verkriechen. Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 wird reichlich aufgetragen, getreu dem Motto: Viel hilft viel.
Nachdem alle Dachboxen wieder verrammelt und verriegelt und alle Türen und auch Kofferräume verschlossen sind, wird die Drohne gestartet. Der Hügel an dessen Fuß wir stehen ist nur mit dünnem, vertrocknetem Gras bewachsen und es liegen wenige kleine Steine herum. Kein Thema für die 3 Jungs aus dem wilden Westen. Gemächlich ackern sich 12 Reifen über Geröll, Gräser und kleine Sträucher den Weg nach oben, wo man dann mit einer rundum freien Sicht belohnt wird. Nach dem Abstieg geht es dann weiter Richtung Mittelmeer. Auf dem Weg zum nächsten Ort, in dem Frühstück und Getränke besorgt werden sollen, taucht einige hundert Meter rechts der Straße ein türkisblauer See auf. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass unser Tagesziel nicht allzu weit entfernt ist und es einen Ort in direkter Nähe des Sees gibt. Eine Entscheidung ist schnell getroffen: Frühstück besorgen und dann einen Weg zum Wasser finden.
An der Tankstelle des Ortes bildet sich schnell eine Traube von kleinen Kindern um unsere Wagen. Völlig fasziniert von den Funkgeräten rennen sie von Wagen zu Wagen und brüllen „Hello“ „Merhaba“ und „Chabos Babos“ in die Funkgeräte. Als wir uns wieder auf den Weg machen wollen ist wohl die Enttäuschung sehr groß und manche Kinder reißen Türen auf und wühlen in unseren Sachen rum. Schnell machen wir uns davon und finden einen Feldweg der direkt bis an eine kleine Bucht des Sees führt. Es sollte wieder einmal ein großer Glücksgriff für uns werden, finden wir genau an dieser Stelle des Ufers dieses Sees „Elma“, unsere neue Kühlerfigur für Bad, die uns sicherlich Gehör verschaffen wird. Hier sagen Bilder mehr als tausend Worte.
Wir kramen die Stühle raus, tragen erneut Sonnencreme auf und setzen uns zum Frühstücken ans Ufer: frische Fladenbrote noch heiß vom Ofen und Melone. Nachdem wir vorbildlich eine halbe Stunde nach dem Essen (Zeitangaben basieren auf grob gefühlten Schätzwerten) gewartet haben, stürzen wir uns in das perfekt temperierte Türkis. Selbst unser Stuhlstuhl traut sich rein und wird nochmal richtig sauber gemacht.
Hier kann man bleiben, leider sollen wir abends in Osmaniye sein, also geht es mit Elma vorweg weiter auf den Straßen der Türkei, immer weiter Richtung Westen entlang der syrischen Grenze, durch Gaziantep und noch weiter. Auf den blauen Straßenschildern liest man des Öfteren gelb unterlegt „Halep“. Aleppo. Drei Tage zuvor erst sind wir bis an die Grenze zum Iran gefahren, ein in den Köpfen so weit entferntes Land und jetzt klopfen wir an der Haustür eines im Chaos versunkenen Landes, wo genau in diesem Moment das Assad-Regime erneut Luftangriffe auf Wohngebiete befiehlt. Gänsehaut macht sich breit. Man hat allerdings nie das Gefühl in Gefahr zu sein. Alles hier geht seinen gewohnten Gang, als ob es überhaupt keinen Krieg in den Nachbarländern Irak und Syrien gibt und gab.
Abends erreichen wir, womöglich sogar zum ersten mal seit Rallyestart, im Hellen das Lager in Osmanyie. An einem der westlichsten Orte die man sich vorstellen kann: einer Mall mit lauter schicken Geschäften, klimatisiert und schön herausgeputzt. Schöne neue Welt. Für das Fahrerlager wurde eine Straße entlang der Mall gesperrt. Die Jungs vom Team 777 mit ihren BMWs, kommen vorbei und es stellt sich heraus, dass sie im gleichen Dilemma stecken wie wir: bleiben oder fahren. Es wird bereits dunkel und die Voraussetzungen im Dunkeln Schlafplätze zu finden sind eher suboptimal. Hier ständen wir bereits parat, bräuchten nur unsere Dachboxen aufklappen und wären schlafbereit. Aber wir stehen nun einmal nicht am schönsten Ort der Türkei und wären in 20 Minuten am Mittelmeer. Als dann einer das Wort „Grillen“ in Kombination mit „Meer“ fallen lässt geht dann alles ganz schnell: Grillfleisch wird besorgt, die Autos beladen, bei Google Maps ein geeigneter Platz gesucht und wir treffen uns nach 15 Minuten abfahrbereit mit sechs Kombis. Mittlerweile ist es natürlich dunkel aber wir schaffen es die richtige Schotterpiste zu finden und landen fünf Meter vom Wasser entfernt an einem Kiesstrand. Grill anschmeißen, Tische aufbauen, Hackfleisch auf den Spieß ziehen und los geht’s.
Für den nächsten Tag steht wieder einiges auf dem Programm, so dass wir recht früh schlafen gehen und auch prompt wieder recht früh vom Muezzin geweckt werden, der nach der Lautstärke zu urteilen bei jedem persönlich im Zelt liegt. Mitten an diesem gottverlassenen Strand hat jemand an einem Mast einen Lautsprecher befestigt und ihn auf volle Lautstärke gedreht. Und auch für die Moskitos sind wir ein gefundenes Fressen. Pro Zeltaufbau werden mindestens zehn Blutsauger erlegt und für jeden Blutfleck tauchen zwei neue Mücken auf. Ein Kampf auf verlorenem Posten.
Also früh aufstehen und Markus und Julius machen sich auch sogleich auf die Suche nach einem neuen Stoßdämpfer für Good. Vorne links fährt er mittlerweile wohl nur noch auf der Feder.
Bei einem kurzen Stopp am Geldautomaten taucht unser Held für den Tag auf. Murat. „Seid ihr deutsch? Was ist hier los? Ich sehe hier im Minutentakt Rallyewagen durch die Stadt fahren.“. Murat ist Deutschtürke der ein halbes Jahr in Göttingen wohnt und die andere Hälfte des Jahres in Iskenderun verbringt. Er bietet uns an bei der Suche nach einem Stoßdämpfer als Dolmetscher behilflich zu sein und führt uns mit seinem Wagen ins Werkstattviertel, besorgt uns Frühstück und organisiert uns Stoßdämpfer für einen Audi A6. Der ist allerdings nicht kompatibel mit dem Auto mit dem wir unterwegs sind und da wir um 12:00 bereits an der Fähre sein sollen, wird es leider nichts mehr mit einem Ersatzteil, trotz Murats Bemühungen. Allerdings besorgt er uns zum Trost ein Hotel zum gleichen Preis wie in Dogubayazit, allerdings mit höherem Standard und sogar Frühstück inklusive. Wir treffen uns wieder alle vor besagtem Hotel, packen unsere Tagesrucksäcke für eine Nacht und beziehen das Zimmer. Dann bringen wir die 3 Autos pünktlich zur Mittagsstunde zum Hafenbecken. Die Fähre steht bereit zum beladen. Alle Teams sind da. Die Sonne steht im Zenit. Staub, Diesel und ein Gemisch aus Schweiß und Sonnencreme flirrt durch die Luft. Alles steht, ein paar Lkw fahren zur Fähre, keines der Rallyeautos bewegt sich. Verwirrung macht sich breit. Plötzlich erreicht uns die Nachricht, dass sich die Teams in den Gruppen, in die wir vorher eingeteilt wurden, auf den Vorplatz der Fähre begeben sollen. Endlich kann es losgehen mit bereits zwei Stunden Verspätung. Wir beschließen uns aufzuteilen. Drei (Lukas, Jonas und Sven) bleiben bei den Autos, um sie endgültig auf die Fähre zu fahren und die anderen Drei (Markus, Julius und Felix) gehen schon einmal zurück ins Hotel und erledigen noch ein paar Kleinigkeiten. Im weiteren Verlauf des Tages kommt dann die Nachricht aus dem Hafen, dass vorerst mal Garnichts mehr passiert. Die Autos bleiben direkt vor der Fähre stehen, Informationen wann es weitergehen soll gibt es keine. Gerüchte machen die Runde, von „Die sammeln alle Blitzerbilder aus der Türkei um noch schnell die Strafen einzuheimsen“ über „Der Kapitän ist besoffen ins Wasser gefallen“ bis hin zu „In 30 Minuten geht’s los“ und im Gegensatz dazu „Vor morgen Mittag geht hier erstmal nichts“. Sinnlos rumzuhängen und zu warten hilft Lukas, Jonas und Sven im Moment auch nicht, also gehen die anderen drei zu Murat, der im Kiosk seines Schwagers bereits auf uns wartet. Sobald er uns kommen sieht lässt er alles stehen und liegen, holt seinen Autoschlüssel und fährt mit uns zunächst mal eine ordentliche Wasserpfeife kaufen, inklusive Tütün (Tabak). Das alles für sehr kleines Geld, dank Murats Verhandlungsgeschicks. Weiter geht es dann zum Abendessen – unser erster Döner in der Türkei. Der kommt hier nicht wie bei uns in Deutschland in einer Brottasche, sondern in Fladenbrot eingerollt und schmeckt natürlich viel besser. Von der Fähre gibt es derweil keine Neuigkeiten. Wir können also auch weiter nichts mehr tun und so zeigt uns Murat die „beste Shisha-Bar in ganz Iskenderun“, dessen Besitzer natürlich auch ein sehr guter Freund von Murat ist. Uns wurde nicht zu viel versprochen: im 5 Stock auf einer Dachterrasse liegt dir Bar mit Blick aufs Meer. Julius bekommt dann auch sogleich einen kleinen Einführungskurs vom Shisha-Meister (er ist alleine für das zubereiten der Pfeifen zuständig und tut auch sonst nichts anderes) wie man denn so eine orientalische Wasserpfeife korrekt zubereitet und obendrauf gibt es noch eine kleine Probierportion Tabak in der Geschmacksrichtung Honigmelone. Rechtzeitig zum Anpfiff organisiert unser neuer privater Touristenführer uns einen eigenen Bildschirm auf dem dann extra für uns das DFB-Pokalfinale übertragen wird. Chai-Tee wird ohne Unterbrechung serviert. Alkohol gibt es keinen. Murat erzählt uns viel, von seinem Hobby der Jagd und von der Türkei. Er selbst ist nicht sehr streng gläubig und isst auch Schweinefleisch, am liebsten wenn er es selbst erlegt hat. In der Region scheint es jede Menge davon zu geben. Da niemand Schweinefleisch isst und die Tiere keinen natürlichen Feind haben, können sie sich sehr stark verbreiten.
Zur gleichen Zeit im Hafen bewegt sich immer noch nichts. Offizielle Informationen gibt es nicht, und so kocht die Gerüchteküche munter weiter. Immerhin hat ein Team einen Beamer dabei, ein anderes kann Internet zur Verfügung stellen und so gucken alle zusammen Bayern gegen Dortmund. Die Stimmung ist trotz der verkorksten Situation gelassen.
Nachdem das Spiel dann völlig unverdient zu Ende gegangen ist, können sich Julius, Markus und Felix zurück auf den Weg ins Hotel machen. Dort organisiert Murat für uns noch, dass das Frühstück bereits um 5:30 Uhr und nicht erst um 7:30 Uhr aufgetischt wird, da wir bereits um 6 Uhr den Shuttlebus zum Flughafen nehmen sollen. Wenn denn bis dahin die Autos auf dem Schiff sind. Denn bei der Fähre gibt es um mittlerweile 1:00 Uhr nachts immer noch keine Veränderung. Wir verabschieden uns herzlich von Murat und bedanken uns für die außerordentliche Hilfe die er für uns war und für den unvergesslichen Tag in Iskenderun und gehen ins Bett.
Erst um 1:45 soll es mit der Verladung beginnen und um 3:00, 12 Stunden hach geplanter Zeit, sind dann endgültig alle Autos verschifft und die ersten Teams nehmen schon eine halbe Stunde später den Bus nach Adana zum Flughafen. Der Rest unserer Gruppe kann um halb drei noch satte zweieinhalb Stunden Schlaf genießen.
Unser letzter Tag in der Türkei geht zu Ende. Ein Land das uns mit offen Armen empfangen hat und uns jeden Tag aufs Neue positiv überraschen konnte. Ein Land der mitunter gastfreundlichsten Menschen auf dieser Welt, mit einem kulturellen Erbe, das man in 2 Leben nicht erkunden kann und mit einer Landschaft, die sich keiner von uns so schön vorgestellt hat. Ein Land das gerade abseits der Touristenhochburgen am Mittelmeer am schönsten ist und wo die Leute die ohnehin am wenigsten hatten am meisten zu geben vermochten! Auf Wiedersehen Türkei, wir kommen wieder.
Den letzten Tag verbringen wir dann hauptsächlich in Transportmitteln und Flughafenterminals, bis wir abends unsere nächste Etappe erreichen:
Schalom Israel

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