Tag 5 bis 7 – Straßenrennen von der Blauen Moschee zur Bosporusfähre

Nachdem wir um circa 01:30 nachts das Lager direkt an der Blauen Moschee erreichten, dauerte es noch zweieinhalb Stunden bis wir alle im Bett lagen. Zu beeindruckend war die Szenerie: die Moschee, die Camps der anderen Teams und weitere Teams, die nach unserer Ankunft eintrafen.
An gemütliches Durchschlafen war allerdings nicht zu denken. 5:00 wird es wohl gewesen sein, als der Muezzin Vollgas gab und seine Stimme mit etwa 9000 Dezibel über unser Camp schmetterte.
Am nächsten Tag, dem ersten freien Tag seit Rallyebeginn, stand einiges auf dem Programm für uns. Aufstehen nach 9 Uhr, Frühstück wurde ausgelassen, Mittagessen reicht ja auch wenn man erst um 11:30 ausflugsbereit ist. Anschließend teilten wir uns auf – schließlich wollten wir unter anderem ein neues Funkgerät auftreiben, die bereits vor Start verlorene Metallplatte für unseren Domstein neu anfertigen lassen, Blogeintrag hochladen und ganz nebenbei auch ein wenig von Istanbul mitnehmen. Nach mehreren Stunden fanden wir ein 2 qm großes Geschäft, welches uns unser Schild anfertigen konnte. Funkgeräte existieren anscheinend nicht in der Türkei. In all dem Trubel kam Julius das Teamportemonnaie abhanden, ob geklaut oder verloren bleibt bis heute ein Rätsel. Zum Glück befanden sich nur Quittungen und etwa 70 € darin, jedoch genug um Julius zum nächsten Veltinsträger (der hässliche Hut auf den Fotos) zu krönen. Am Abend trafen wir uns wieder vor der Blauen Moschee und es wurde uns mitgeteilt, dass ein Tag in Istanbul komplett gestrichen wird und wir einen Tag früher die Fähre Richtung Israel nehmen werden. Also hatten wir statt den geplanten 3 Tagen nur knappe 2 Tage Aufenthalt in der Stadt der 7000 Moscheen.
Nachdem wir es irgendwie geschafft haben ein Hotel mit eigenem Wellnessbereich zu finden, wo wir kostenfrei die erste Dusche der Rallye genießen durften, ging es Richtung Bosporus. Dort setzten wir uns in eines der Fischrestaurants und aßen fangfrische Seezunge, Lachs und Brasse.
Lukas war wohl überneidisch, dass Julius aktuell den Veltins tragen durfte und ließ folglich seinen Rucksack im Restaurant zurück, damit wir ihn am nächsten Tag nochmal abholen konnten.
Der nächste Tag stand an, erneut mit großem Programm. Zu allererst gab es den Versuch einen Guiness Weltrekord aufzustellen, bei dem das größte Autoreifenrennen stattfinden sollte. Hierbei sollten alle 111 Teams einen ihrer Ersatzreifen nehmen und ihn nach einer Art LeMans-Start um das Hippodrom in Istanbul rollen. Leider schafften wir es hierbei nur knapp nicht aufs Siegertreppchen.
Nun hieß es allmählich Einpacken und sich auf das Rennen zur Fähre über den Bosporus vorzubereiten, was manche Teams wohl etwas zu ernst nahmen und ein heilloses Chaos veranstalteten, als mehrere Teams versuchten sich einen guten Startplatz zu sichern und dabei die komplette Straße ums Hippodrom blockierten. Unter anderem auch unsere neuen Freunde in ihren blauen Volvos die ihre Karren direkt vor unsere Nase stellten und uns baten doch bitte weiter zurück zu fahren, damit sie stehen bleiben konnten ohne noch mehr Unheil zu verrichten, was wir selbstredend, hilfsbereit wie wir sind, nicht getan haben.
Nach einer Rede des Europaministers der Türkei, ging es dann los, oder auch eben nicht, weil ja zum Glück alles verstopft war. 333 Autos, die zeitgleich auf die engen Gassen von Istanbul losgelassen werden. Grob fahrlässig, aber auch ein äußerst großer Spaß. Keine 5 Meter gefahren gab es schon den ersten Kontakt: blauer Volvo gegen weißen Audi. Es sollte einer von vielen sein. Verkehrsregeln gelten nicht, einspurig ist dreispurig. Einbahnstraße? Nicht existent. Vorfahrt? Hat derjenige, der am wenigsten Angst vor Blechschäden hat. 15 Minuten für nicht einmal 1 km durch Istanbul. 2 Pedalstellungen: Vollgas und Vollbremsung. Alles rastet aus. Sobald einer von uns eine Lücke im System findet wird die Konkurrenz geblockt und wir können mit 3 Autos Vollgas geben. Die Polizei hat diesen Teil der Stadt für die meisten Normalsterblichen gesperrt.
Als wir oben auf der Fähre stehen und ablegen, der Puls bei 120, sehen wir die blauen Volvos, wie sie sich in der Schlange vor der Fähre einreihen. Vermutlich sind auch sie unseren strategisch perfekt positionierten Bananenschalen (Flönz) zum Opfer gefallen und mächtig ins Schleudern gekommen.
Asien, wir kommen. Auf in den Allgäu-Orient-Rallye Park am Rande von Istanbul zum neuen Fahrerlager für eine stürmische, regnerische Nacht.
Am nächsten morgen wurde unser Lager unter strömenden Regen abgebaut. Unser erstes Ziel auf unserer Strecke nach Ankara war daher ein Einkaufszentrum in welchem im Trockenen gefrühstückt und eingekauft werden konnte. Als wir am späten Abend in Ankara ankamen, stellten wir fest, dass der Treffpunkt der Rallyeteams vom Stadtkern zu einem außerhalb von Ankara liegenden Hotel verlegt wurde. Nach stundenlangem Umherirren in der Hauptstadt der Türkei fanden wir das Fahrerlager.
Die Nacht verbrachten wir jeweils zu dritt in einem Hotelbett, sodass die Kosten pro Person 11€ nicht überschritten.

Tag 5: 0km
Tag 6: 30km
Tag 7: 420km

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